Der Sommerabend letzte Strahlen
Der Sommerabend letzte Strahlen
irr'n durch den Luftschacht oben in der Wand,
erwecken meinem Herzen kaum besänft'ge Qualen,
den Frieden raubend, den ich eben fand.
Und sinkt des Schlaf`'s Erbarmen auf mich nieder,
entflieht mein Geist, erlöst von Kerkers Macht
und eilt in Traumes Wahn zu meinen Lieben wieder,
wohin mein Sehnen geht, bei Tag und Nacht.
Doch, kehret das Bewußtsein dann zurück
von nächtlichen, verklärten Traumesgängen,
schlaftrunken selig noch und voll von Glück,
entsetzt das Aug' erstarrt an kahlen Zellenwänden.
Ach, sprengen möcht' ich diese dunklen Kerkerwände,
worin mein junges Leben unschuldig verbannt,
befreiend rütteln die zur Tatenlosigkeit verdammten Hände,
am rost'gen Gitter in der Fensterhöhlenwand.
Doch keine tote Wand berichtet von den Schmerzen.
Ich schrieb es nicht wie viele vor mir hier in Stein.
Des Sturmes Aufruhr tobt in meinem Herzen,
dort wehr ich ihm und schließe ihn dort ein.
Vergeblich nahet ihr euch mir, dämonische Gewalten,
wenn ihr in magisch dunklem Schmerz mein Denken bannt.
Mein König, Christus Jesus, er wird mich erhalten,
beseligt spüre ich das linde Walten seiner Friedenshand.
Untersuchungshaft September 1950
Amtsgerichtsgefängnis Neubrandenburg.
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