Bützow-Dreibergen
Dunkel und traurig ist der Himmel mit Wolken verhängt,
als ob tiefe Trauer seine heitere Bläue verdrängt.
Ein Zuchthaus ist's, das menschliche Willkür gefüllt,
worüber der Himmel sein Antlitz verhüllt.
Drei mächtige Blöcke, in Zellen geteilt,
begrenzen den Hof, wo die Sonne kaum weilt.
In der Mitte ein Rundteil, ein einziger Baum,
entblättert und kahl, auf einsamen Raum.
Für den täglichen Ausgang im Hofe, ein Rund,
eine Hütte, mit kotigem Kettenhund,
dem Leben hier treffend Ausdruck verleiht,
vollenden die graue Trostlosigkeit.
Doch, hinter den Mauern, der Welt entrückt,
pulsiert noch das Leben, vom Kummer bedrückt.
Schwermütig tönt der Gefang'nen Gesang
durch die Abende, verhalten und bang.
Gar mancher sühnt hier seine eigene Schuld,
verbringt seine Tage in Ungeduld.
Auch den sperrt vom Leben das eiserne Tor,
der sich dem Recht und der Wahrheit verschwor.
"Ich möchte so gern nach Hause gehn
und meinen kleinen Liebling wiedersehn."
Welchen Schmerz wohl diese Mutter empfand,
die diese Worte schrieb in die Zellenwand.
Ein andrer hier seinen Schuldner anklagt,
der ihn um das Recht seiner Jugend gebracht.
Und weiter die kahle Zellenwand kündet,
wie ein Herz verlorene Liebe empfindet.
Vom steten Ringen um seelische Kraft,
derer, die Jahre in Einzelhaft,
die unter dem Druck politischer Diktatoren
unschuldig Freiheit und Leben verloren.
So berichten die Mauern, als stumme Zeugen,
von menschlicher Not und seelischem Leiden.
Wie fallende Körnlein rieselt das Leid
und füllt das Stundenglas der Zeit.
Wer zählt die Tränen, die hier geweint?
Sie würden zum Meer, wenn sie vereint,
zum reißenden Strom, der die Dämme durchbricht
und mündet überflutend im Weltgericht.
Grau, erbarmungslos und hart,
bei deren Anblick das Herzblut erstarrt,
stehn die Zuchthausmauern in den Himmel gereckt,
wie ein dumpfer Traum, der die Seele schreckt,
wie steingewordenes Herzeleid.
"Bützow-Dreibergen, - Zeichen der Zeit."
Bützow November 1950
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