Abendstimmung
Der Tag geht langsam zuende,
die Erde hüllt sich in Nacht.
Am Himmel stehn lodernde Brände.
Gewaltige, herrliche Pracht.
Die letzten Strahlen schmücken
vergoldend die Stadt, das Feld.
Mein Herz birgt ein jubelnd Entzücken.
Wie schön bist du, scheidende Welt.
Jetzt ist die Sonne versunken,
ein endloses Feuermeer.
Mein Auge genießt wonnetrunken
all die Schönheit ringsumher.
Ein ehrfurchtsvolles Schweigen
umfängt den nahen Wald.
Da, plötzlich dringt's aus den Zweigen.
Es singt die Nachtigal.
Die schmelzenden Töne schwingen
sich sanft in der Wipfel Chor
und steigt wie ein dankbares Singen
zum Abendhimmel empor.
Da droben, das wandelnde Dunkel
bringt der müden Erde Ruh.
Die ersten Sterne funkeln.
Nun ruh mein Herz auch du.
Friedland 1937
back to
Gedichte